Eine Horizontalsperre ist eine waagerechte Abdichtungsschicht im Mauerwerk, die verhindert, dass Wasser aus dem Erdreich in den Wänden nach oben steigt. Fehlt diese Sperre oder ist sie mit den Jahren unwirksam geworden, brauchen Sie eine nachträgliche Horizontalsperre. Sie wird vor allem dann erforderlich, wenn Feuchtigkeit im Wandfuß sichtbar ist, Salzausblühungen auftreten oder der Putz im Sockelbereich abblättert.
Was eine Horizontalsperre ist und wie aufsteigende Feuchtigkeit entsteht
Mauerwerk besteht aus Steinen und Mörtelfugen, die von feinen Poren und Kapillaren durchzogen sind. Diese Kapillaren wirken wie dünne Röhrchen: Steht der Wandfuß in feuchtem Erdreich, zieht das Wasser physikalisch nach oben – ähnlich wie Wasser in einem Schwamm hochsteigt. Dieser Vorgang heißt kapillar aufsteigende Feuchtigkeit.
Eine Horizontalsperre unterbricht diese Wasserwege. Sie sitzt waagerecht in der Wand, meist knapp über dem Bodenniveau, und bildet eine Barriere, die das Wasser nicht überwinden kann. In Neubauten wird diese Sperre nach DIN 18533 von Anfang an eingebaut, zum Beispiel als Bitumenbahn oder Dichtungsschlämme in der Lagerfuge.
In älteren Häusern fehlt diese Sperre häufig ganz, oder sie wurde aus Materialien hergestellt, die heute nicht mehr dicht sind. Dann steigt die Feuchtigkeit ungehindert im Mauerwerk hoch und transportiert dabei gelöste Salze aus dem Boden und dem Mörtel mit. Genau hier setzt die nachträgliche Horizontalsperre per Injektionstechnik an.
Anzeichen für eine fehlende oder defekte Horizontalsperre
Aufsteigende Feuchtigkeit zeigt sich oft schleichend. Je früher Sie die Anzeichen erkennen, desto kleiner bleibt der Schaden an der Bausubstanz. Achten Sie auf folgende Warnsignale:
- Feuchter Wandfuß: Die Wand ist im unteren Bereich dunkel verfärbt, der Feuchtigkeitsrand verläuft waagerecht und steigt mit der Zeit höher.
- Salzausblühungen: Weiße, flockige oder kristalline Beläge auf dem Putz. Das Wasser verdunstet an der Oberfläche und lässt die mitgeführten Salze zurück.
- Abblätternder Putz: Putz und Anstrich lösen sich, der Untergrund sandet ab oder bröckelt.
- Muffiger Geruch: Ein modriger, feuchter Geruch im Erdgeschoss oder Keller, der trotz Lüften bleibt.
- Schimmel im Sockelbereich: Dunkle Flecken an der Wand, oft hinter Möbeln oder in Ecken mit schlechter Luftzirkulation.
Ein typisches Merkmal aufsteigender Feuchtigkeit ist die waagerechte Begrenzung: Der feuchte Bereich endet in einer mehr oder weniger geraden Linie nach oben, weil die Steighöhe von der Verdunstung begrenzt wird. Seitlich eindringendes Wasser zeigt dagegen eher unregelmäßige, fleckige Muster. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie über das richtige Verfahren entscheidet.
Verfahren der nachträglichen Horizontalsperre im Vergleich
Für eine nachträgliche Horizontalsperre im Mauerwerk gibt es mehrere bewährte Verfahren. Sie unterscheiden sich in Aufwand, Eignung und Eingriff in die Statik.
Injektionsverfahren mit Cremes, Gelen oder Paraffin
Beim Injektionsverfahren werden in einer waagerechten Reihe Löcher in die Wand gebohrt und ein Dichtstoff eingebracht. Dieser verteilt sich in den Kapillaren und macht das Mauerwerk wasserabweisend. Als Wirkstoffe kommen Silan-Siloxan-Cremes, niedrigviskose Gele oder Paraffin zum Einsatz. Cremes haben sich durchgesetzt, weil sie standfest sind, sich nicht im Boden verlaufen und gut in feuchtes Mauerwerk eindringen. Das Verfahren arbeitet ohne Eingriff in die Statik und eignet sich für die meisten Ziegel- und Bruchsteinwände.
Mechanisches Mauersägeverfahren
Beim Mauersägeverfahren wird die Wand in einer waagerechten Fuge durchtrennt und in den entstandenen Schnitt eine Sperrbahn aus Edelstahl oder Kunststoff eingeschoben. Anschließend wird der Schnitt wieder verpresst. Das Verfahren liefert eine vollständige mechanische Sperre und wirkt auch bei sehr nassem Mauerwerk. Es ist allerdings aufwendig, nur bei durchgehenden Lagerfugen möglich und greift in die Statik ein, weshalb abschnittsweise gearbeitet wird.
Chromstahlblech-Einschlagverfahren
Hier werden gewellte Chromstahlbleche in eine durchgehende waagerechte Mörtelfuge eingeschlagen. Die Bleche überlappen sich und bilden eine durchgehende Sperrebene. Das Verfahren ist schnell und sauber, setzt aber eine gerade, durchgehende Lagerfuge voraus – wie sie eher bei regelmäßigem Ziegelmauerwerk vorkommt als bei Bruchstein.
| Verfahren | Eignung | Aufwand |
|---|---|---|
| Injektion (Creme/Gel/Paraffin) | Ziegel- und Bruchsteinwände, gängigster Altbaufall | Gering bis mittel, kein Statikeingriff |
| Mauersägeverfahren | Sehr nasses Mauerwerk, durchgehende Lagerfuge | Hoch, Eingriff in die Statik |
| Chromstahlblech-Einschlag | Regelmäßiges Ziegelmauerwerk mit gerader Fuge | Mittel, nur bei durchgehender Fuge |
Welches Verfahren passt, lässt sich erst nach einer Begutachtung vor Ort sicher sagen. Wandaufbau, Durchfeuchtungsgrad und der Salzgehalt im Mauerwerk geben den Ausschlag.
Ablauf des Injektionsverfahrens Schritt für Schritt
Das Injektionsverfahren ist in den meisten Altbauten der praktikabelste Weg. So läuft es in der Praxis ab:
- Begutachtung und Feuchtemessung: Zuerst wird der Durchfeuchtungsgrad bestimmt. Aus Bohrmehlproben lässt sich messen, wie viel Wasser tatsächlich in der Wand steckt. Das entscheidet über Bohrabstände und Materialmenge.
- Bohrlöcher setzen: In einer waagerechten Reihe werden Löcher in die Wand gebohrt, üblich sind Abstände von etwa 10 bis 12,5 Zentimetern. Die Bohrungen liegen knapp über dem Bodenniveau, meist in einer Mörtelfuge.
- Bohrlöcher reinigen: Das Bohrmehl wird ausgeblasen, damit der Wirkstoff sauber in die Kapillaren eindringen kann.
- Wirkstoff einbringen: Die Injektionscreme wird mit einer Kartuschenpistole oder Pumpe drucklos in jedes Bohrloch eingefüllt. Bei stark durchfeuchteten Wänden wird teils mit Druck injiziert, damit der Wirkstoff trotz Wassersättigung verteilt.
- Verschließen und Nachsorge: Die Bohrlöcher werden mit Mörtel verschlossen. Anschließend verteilt sich der Wirkstoff in der Wand und bildet die wasserabweisende Sperrebene aus.
- Austrocknung und Sanierputz: Die Wand trocknet über Wochen bis Monate aus. Erst danach folgt bei Bedarf ein salzbeständiger Sanierputz, der den optischen Endzustand herstellt.
Der eigentliche Einbau ist bei einem normalen Wohngebäude oft an einem bis zwei Tagen abgeschlossen. Geduld braucht vor allem die Trocknung danach.
Kosten und Kostenfaktoren einer Horizontalsperre
Die Kosten einer nachträglichen Horizontalsperre richten sich nach dem Verfahren, der Wandstärke und dem Durchfeuchtungsgrad. Abgerechnet wird in der Regel pro laufendem Meter Wand. Als Orientierung dienen folgende Richtwerte:
| Verfahren | Richtwert pro laufendem Meter |
|---|---|
| Injektion mit Creme oder Gel | ca. 80–250 € |
| Mauersägeverfahren | ca. 250–500 € |
| Chromstahlblech-Einschlag | ca. 150–350 € |
Diese Spannen entstehen durch mehrere Faktoren:
- Wandstärke: Je dicker die Wand, desto mehr Bohrtiefe und Wirkstoff sind nötig. Eine 24 Zentimeter starke Wand ist günstiger zu behandeln als eine 60 Zentimeter dicke Bruchsteinwand.
- Durchfeuchtungsgrad: Stark wassergesättigtes Mauerwerk nimmt den Wirkstoff schlechter auf und braucht oft eine Druckinjektion oder mehr Material.
- Mauerwerksart: Regelmäßiges Ziegelmauerwerk lässt sich leichter behandeln als unregelmäßiges Bruchsteinmauerwerk mit Hohlräumen.
- Zugänglichkeit: Schwer erreichbare Wände, Innenecken oder beengte Kellerräume erhöhen den Arbeitsaufwand.
- Folgearbeiten: Putz abschlagen, Salzsanierung und neuer Sanierputz kommen je nach Zustand zu den reinen Injektionskosten hinzu.
Eine belastbare Zahl gibt es erst nach einer Begutachtung vor Ort. DichtWerk bietet dafür eine kostenlose Begutachtung innerhalb von 24 Stunden an, bei der Durchfeuchtung und Wandaufbau geprüft werden.
Warum Sanierputz allein nicht reicht
Ein häufiger Irrtum ist, dass ein neuer Sanierputz das Feuchteproblem löst. Das ist nicht der Fall. Sanierputz ist ein Spezialputz mit hohem Porenvolumen. Er kann Salze einlagern und lässt die Wand an der Oberfläche länger trocken erscheinen. Die Ursache – das im Mauerwerk aufsteigende Wasser – berührt er aber nicht.
Ohne funktionierende Horizontalsperre steigt die Feuchtigkeit weiter, irgendwann ist auch der Sanierputz gesättigt, und Salzausblühungen sowie feuchte Flecken kehren zurück. Sanierputz ist deshalb ein sinnvoller letzter Schritt nach dem Einbau einer Horizontalsperre, nicht ein Ersatz dafür. Erst die Kombination aus unterbrochenem Wasserweg und salzbeständigem Putz bringt dauerhaft trockene Wände. Bei feuchten Kellern gehört dazu oft auch eine flankierende Kellerabdichtung.
Horizontalsperre in Bielefeld und OWL
In Bielefeld und ganz Ostwestfalen-Lippe steht ein großer Teil des Gebäudebestands aus Gründerzeit- und Nachkriegsjahren. Viele dieser Altbauten wurden zu einer Zeit errichtet, in der eine wirksame Horizontalsperre noch nicht selbstverständlich war oder mit Materialien hergestellt wurde, die heute nicht mehr dicht halten. Entsprechend häufig sind feuchte Wandfüße und Salzausblühungen in Kellern und Erdgeschossen der Region.
Hinzu kommen lehmige Böden in Teilen von OWL, die Wasser schlecht ableiten und den Wandfuß länger feucht halten. Wer ein älteres Haus in Bielefeld, Herford, Gütersloh oder Umgebung saniert, sollte den Sockelbereich deshalb früh prüfen lassen. DichtWerk arbeitet seit über fünf Jahren in der Region, dichtet nach DIN 18533 ab und gibt auf die Arbeiten eine Funktionsgarantie von bis zu zehn Jahren. Die Begutachtung vor Ort ist kostenlos und erfolgt innerhalb von 24 Stunden.
Häufige Fragen
Was ist eine Horizontalsperre?
Eine Horizontalsperre ist eine waagerechte Abdichtung im Mauerwerk, die verhindert, dass Wasser aus dem Erdreich kapillar in den Wänden nach oben steigt. In Altbauten fehlt sie oft oder ist mit der Zeit unwirksam geworden, sodass eine nachträgliche Horizontalsperre eingebaut werden muss.
Wann brauche ich eine nachträgliche Horizontalsperre?
Eine nachträgliche Horizontalsperre ist sinnvoll, wenn Feuchtigkeit aus dem Boden in den Wänden hochzieht. Typische Anzeichen sind ein dauerhaft feuchter Wandfuß, weiße Salzausblühungen, abblätternder Putz und ein muffiger Geruch im Erdgeschoss oder Keller.
Welches Verfahren der Horizontalsperre ist das beste?
Das hängt vom Mauerwerk ab. Bei den meisten Altbauten ist das Injektionsverfahren mit Creme oder Gel die praktikabelste Lösung, weil es schonend und ohne Statikeingriff arbeitet. Sehr nasse oder unregelmäßige Wände erfordern manchmal das mechanische Mauersägeverfahren oder das Chromstahlblech-Einschlagverfahren.
Was kostet eine nachträgliche Horizontalsperre pro Meter?
Das Injektionsverfahren liegt je nach Wandstärke und Durchfeuchtungsgrad meist bei etwa 80 bis 250 Euro pro laufendem Meter. Mechanische Verfahren wie das Mauersägeverfahren sind aufwendiger und kosten in der Regel deutlich mehr pro laufendem Meter.
Reicht Sanierputz allein gegen aufsteigende Feuchtigkeit?
Nein. Sanierputz nimmt Salze auf und lässt die Wand schöner aussehen, stoppt aber nicht die aufsteigende Feuchtigkeit selbst. Ohne eine funktionierende Horizontalsperre zieht das Wasser weiter im Mauerwerk hoch, und das Problem kehrt zurück.
Wie lange dauert der Einbau einer Horizontalsperre per Injektion?
Bei normalen Wohngebäuden ist das Injektionsverfahren oft an einem bis zwei Arbeitstagen erledigt. Die eigentliche Bauphase ist kurz; die Wand braucht danach jedoch mehrere Wochen bis Monate, um langsam auszutrocknen.
